Thomas Schlüter, 59 Jahre

Plötzliche Schwellung unter dem Kinn

Angefangen hatte damals alles im September. Da sagte meine Frau eines morgens zu mir: „Du hast ja ein ganz schiefes Gesicht.“ Als ich daraufhin in den Spiegel guckte, sah ich eine große Schwellung unterhalb vom Kinn. Kurz darauf bin ich zu meinem Hausarzt gegangen. Er hat sofort die Stirn gerunzelt und mich zum HNO-Arzt überwiesen, der mich wiederum zum Radiologen geschickt hat. Als mein HNO-Arzt die Ergebnisse bekommen hat, sagte er gleich: „Das sieht nach einem bösartigen Tumor aus.“ Das war wie ein Schlag vor den Kopf. Es ist ja so: Wir Menschen wissen theoretisch, dass etwas Schlimmes auf uns zukommen könnte – aber wirklich vorbereitet sind wir nicht. Das Tückische am Krebs ist, man merkt es nicht. Ich habe es letztlich meiner Frau zu verdanken, dass ich noch hier sitze.

 

Diagnose Rachenkrebs

Mein HNO-Arzt hatte mir zwei Kliniken für die mögliche Weiterbehandlung genannt. Ich habe mich für das Klinikum Braunschweig entschieden. Für mich ein guter Entschluss, ich habe mich sofort wohl gefühlt. Dort wurde erst einmal ein CT gemacht und Gewebeproben genommen. Bei der zweiten Besprechung sagte Prof. Gerstner, der Chefarzt der HNO-Klinik: „Wir reden hier tatsächlich über Krebs. Kann ich offen reden?“ Das konnte er. Er sagte mir, dass es sich um einen Tumor handele, es aber keine Metastasen gäbe. Das sei positiv, man könne operieren. Mir war sofort klar: Ich mache das. Ich stand ja auch mit dem Rücken zur Wand, ich wollte ja weiter leben.

 

Offene und ehrliche Aufklärung durch den Chefarzt

Die Beratung und Aufklärung von Prof. Gerstner im Vorfeld war sehr offen und ehrlich, aber auch einfühlsam. Ich konnte mir alles, was auf mich zukommen sollte, sehr gut vorstellen. Durch die OP am Hals würde ein Loch entstehen, dass durch einen so genannten Radialis-Lappen vom Arm – samt Vene – wieder verschlossen werden sollte. Das Loch am Arm würde wiederum mit Haut aus der Bauchregion wieder verschlossen werden. Ich bin Eisenbahner und habe mir das so vorgestellt, wie eine große Reparatur an einem Dampfkessel.

 

Großes Vertrauen vor der Operation

Vor der Operation hatte ich schon ein bisschen Fracksausen, aber ich hatte auch großes Vertrauen in Prof. Gerstner und war mir sicher: Der macht das schon, der kriegt das hin. Nach der OP informierte er mich, dass alles sehr gut gelaufen sei. Das hat mich natürlich gefreut. Allerdings waren die ersten Tage ziemlich hart. Ich habe kaum Luft bekommen. Diese Atemnot war ein schreckliches Gefühl. Nach etwa 4 Tagen wurde es besser.

 

Hilfe durch Schlucktherapie

Das Leben nach der Operation war gleich spürbar anders. Essen und Trinken ist einfach schwieriger. Denn durch die OP ist das Zäpfen im Hals weg. Ich würde sagen, das ist ein „Flurschaden“, darauf war ich vorbereitet. Im Klinikum Braunschweig habe ich eine Schlucktherapie gemacht, das hat geholfen, mit der neuen Situation umzugehen. In dieser Zeit, war ich einfach froh, dass alles so gut geklappt hat, ich habe viel gelesen und die Ruhe genossen.

 

Ambulante Bestrahlungen

Was danach kam, war sehr anstrengend für mich. Um sicher zu gehen, dass die Krebszellen auch wirklich weg sind, wollte ich die Bestrahlung machen. Dafür musste vorher in der Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie geprüft werden, ob meine Zähne fest sitzen, da sonst Entzündungen entstehen können. Es mussten 18 Zähne raus. Das war ein Schlag ins Kontor! Dann folgten 25 ambulante Bestrahlungen. Das war schon hart. Für weitere 5 wurde ich stationär aufgenommen. Diese Zeit war für mich richtig heftig. Als die vorbei war, ging es ganz langsam wieder bergauf.

 

Gute Zusammenarbeit der Kliniken

Obwohl dies eine sehr schwere Zeit war, habe ich mich immer gut aufgehoben gefühlt. Die Zusammenarbeit der drei Kliniken hat gut funktioniert, es war ja alles unter einem Dach und die Wege sind kurz. Ich bin wirklich sehr zufrieden. Im Frühling 2015 bin ich für drei Wochen in die Reha gegangen, unter anderem zur Sprach- und Schluckschulung. Ich musste meine ganze Ernährung umstellen und herausfinden, was geht und was nicht.

 

Nachuntersuchung jedes Viertel Jahr

Heute kann ich wieder voll arbeiten und eigentlich alles machen, was mir Spaß macht. Wenn ich mit meiner Frau und unseren Hunden spazieren gehe, dann weiß ich, dass das keine Selbstverständlichkeit ist. Jedes Viertel Jahr gehe ich zur Nachuntersuchung. Wenn ich 5 Jahre lang ohne Krebs bin, dann kann ich vielleicht etwas durchatmen.

 

Fazit

„Ich bin froh, dass ich noch lebe und den meisten Dingen nachgehen kann!“

 

Meine Tipps für die Entscheidungsfindung
  • Sich genau aufklären lassen, was alles auf einen zukommen kann
  • Eine interdisziplinäre Klinik aussuchen
  • Ein vertrauensvolles Verhältnis zu dem behandelnden Arzt aufbauen
  • Schnell handeln, wenn die Prognosen gut sind

 

Argumente für oder gegen eine Operation - meine Pros und Contras

Pro:

  •  Die Behandlung ist bei mir sehr gut gelaufen. Das ist ein großes Glück.
  • Ich bin jetzt aufmerksamer meinem Körper gegenüber und dankbarer für mein Leben.
  • Ich habe eine schwere Zeit gemeistert und genieße nun viel mehr: Ruhe, Lesen, Modelleisenbahn, Zeit mit meiner Frau.

Contra:

  • Essen ist kein Genuss mehr, sondern Arbeit. Das ist aber nicht so schlimm – ich lebe und bin froh, dass ich so davongekommen bin.
  • Krümeliges kann ich nicht mehr essen. Das bleibt im Hals stecken und ich bekomme Luftnot.