Es ist ein überregionales Alleinstellungsmerkmal für das Klinikum Braunschweig: Der Maximalversorger erhielt jüngst die Rezertifizierung als Kompetenzzentrum für Chirurgie des Magens und der Speiseröhre. Der Ärztliche Direktor Dr. Thomas Bartkiewicz verdeutlicht: „Diese Auszeichnung steht für die Qualität bei besonders komplexen Operationen. Lediglich sechs weitere Kliniken in Deutschland erfüllen die geforderten Standards.“

Die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie zeichnete neben dem Klinikum Braunschweig die Unikliniken Köln, Heidelberg, Mainz und die Charité Berlin sowie das St. Adolf-Stift Reinbek und das Klinikum Barmbek aus. „In unserer Region sind wir somit die einzigen, die diese Auszeichnung erhalten haben“, verdeutlicht Dr. Bartkiewicz. Fokus der Zertifizierung sind aufwendige und komplikationsträchtige Operationen im Bereich des Magens und der Speiseröhre. Maßgeblich verantwortlich für diese Form der Operationen ist am Klinikum Braunschweig Prof. Dr. Dr. h.c. Guido Schumacher, Chefarzt der Chirurgischen Klinik. Er erklärt: „Krebs in den genannten Bereichen ist nicht so häufig wie etwa Darmkrebs, aber meist sehr bösartig. Eine Operation ist daher immer der Kernpunkt.“ Bei der Entfernung einer Speiseröhre müsse ein sogenannter „Zwei-Höhlen-Eingriff“ erfolgen, dieser erfolgt sowohl über die Bauchhöhle, als auch über den Brustraum. „Eine große Erfahrung ist hierbei sehr wichtig, da es sich um eine sehr anspruchsvolle Operation handelt.“ Die Erfahrung ist es auch, die bei der Zertifizierung eine wichtige Rolle spielt. Pro Jahr sind es etwa 40 Speiseröhrenkrebs-OPs, die Schumacher und sein Expertenteam durchführen, dazu kommen 20 Magenkrebs-OPs.

Die Anzahl der Operationen in diesem komplexen Bereich ist seit der ersten Zertifizierung im Jahr 2014 kontinuierlich gestiegen und zeigt die Spezialisierung in diesem Bereich. Eine Weiterentwicklung ist auch bei der Art und Weise der Operationen erfolgt. Michael Forner, Leitender Oberarzt der Chirurgischen Klinik, macht deutlich: „Die Chirurgie hat sich stark verändert. Wir operieren mittlerweile fast ausschließlich minimalinvasiv, auch bei den Zwei-Höhlen-Eingriffen. Als wir im Jahr 2011 mit dieser Form der OPs begonnen haben, gab es gar keine minimalinvasiven OPs, jetzt sind es 80-90 Prozent in diesem Bereich.“ Der Eingriff durchs „Schlüsselloch“ bedeutet für die Patient*innen weniger Schmerzen und weniger Komplikationen bei der Wundheilung.

Die Weiterentwicklung medizinischer Technik ist jedoch nur ein wichtiger Bestandteil bei der Bekämpfung von Krebs. Die Operateure des Kompetenzzentrums sagen, besonders wichtig sei die Früherkennung. Wer beispielsweise Probleme beim Schlucken oder häufiges Sodbrennen hat, sollte dies unbedingt von einem Arzt/einer Ärztin abklären lassen.