Eine 33-jährige Frau aus Peking hat Harnblasenkrebs. Sie hat eine Chemotherapie hinter sich, anschließend eine Immuntherapie erfolgreich überstanden. Die Behandlung hat gut angeschlagen. Auf den Bildern aus Positronen-Emissions-Tomographie und Computertomographie ist nichts mehr zu sehen. Prof. Dr. Peter Hammerer aus dem Klinikum Braunschweig zollt den chinesischen Kollegen großen Respekt. „Jeder hier ist beeindruckt von dem Ergebnis, das sie erreicht haben“, sagt der Chefarzt der Klinik für Urologie und Uroonkologie. Anlässlich des Weltkrebstages haben sich Krebsspezialisten aus dem National Cancer Center in Peking, der Mayo Clinic Urology in Rochester (USA) und aus dem Klinikum Braunschweig zu einer multidisziplinären uro-onkologischen Tumorkonferenz zusammengefunden.

Über Videokonferenz tauschen sich die Ärzte aus und diskutieren Fälle. Der zweite stammt aus Braunschweig: Es geht um einen 77-Jährigen mit Prostatakarzinom, bei dem Metastasen in einem Lymphknoten gefunden wurden. Prof. Dr. Peter Hammerer erläutert die bisher vorgenommenen Maßnahmen. Ergänzend dazu liefern Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann (Chefarzt Strahlentherapie und Radioonkologie), Prof. Dr. Jürgen Krauter (Chefarzt Hämatologie und Onkologie) sowie Prof. Dr. Philipp Wiggermann (Chefarzt Röntgendiagnostik und Nuklearmedizin) den Kollegen aus dem Ausland weitere Informationen.

Was die Mediziner über eine Entfernung von vielen Tausend Kilometern hinweg austauschen, sind nicht nur Fakten. Es geht auch um Meinungen. Wie soll es mit der jungen Chinesin weitergehen – wo doch diese Form der Erkrankung eigentlich in die Kategorie unheilbar gehört. Die Chefärzte sind sich einig: Sie empfehlen eine lokale Bestrahlung bei gleichzeitiger Fortsetzung der Immuntherapie. Die Experten aus Peking bedanken sich für die Expertise und wünschen eine gute Nacht. Während es in Braunschweig Nachmittag ist, zeigt die Uhr in Fernost bereits 22 Uhr, in den USA ist es inzwischen 8 Uhr morgens. Aus Braunschweig kommen Dankesgrüße zurück, verbunden mit Erfolgswünschen bei der Bekämpfung des Coronavirus.

Nach Beendigung der Konferenz tauschen sich die Braunschweiger untereinander aus. Auch sie wurden in ihrem bisherigen Vorgehen von den ausländischen Kollegen bestätigt. „Es ist schön zu sehen, dass wir überall auf der Welt mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben und diesen mit den gleichen Lösungswegen begegnen“, fasste Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann seine Eindrücke zusammen. In den entwickelten Industrienationen bewegten sich die medizinischen Standards auf demselben hohen Level, meinte der Sprecher des Cancer Centers Braunschweig.

„Letztlich basieren unsere Behandlungsformen auf Leitlinien und Forschungsergebnissen. Diese orientieren sich an Literatur, die global ist“, erklärte Prof. Dr. Peter Hammerer. Um immer auf dem aktuellen Stand zu sein, sei der Austausch unter Experten sehr wichtig, betonte der Urologe. Wenn diese Kommunikation dann auch noch im internationalen Rahmen erfolge, sei das umso besser.

Hammerer kann sich gut vorstellen, dass diese Form des fachlichen Austauschs am nächsten Weltkrebstag eine Fortsetzung findet. Die Idee zu der Aktion entstand bei einer Tagung des National Cancer Instituts in Peking, die der Mediziner als europäischer Sprecher begleitete. Allerdings kommunizieren die Krebsspezialisten des Klinikums Braunschweig nicht nur mit Kollegen im Ausland über ihre Fälle. In praktisch täglich stattfindenden Tumorkonferenzen stimmen sich Ärzte aus verschiedenen medizinischen Fachrichtungen und Krankenhäusern der Region über die bestmögliche individuelle Behandlung von Patienten mit bösartigen Erkrankungen ab.