Karin Herbst, 78 Jahre

Im Mai 1998 hat mich mein Nachbar in einem völlig desolaten Zustand angetroffen. Ich war konfus und orientierungslos. Es stellte sich heraus, dass ich einen gutartigen Gehirntumor hatte. Nur 6 Tage später wurde ich in der Neurochirurgie am Klinikum Braunschweig operiert. Die Operation war eine einzige Erfolgsgeschichte. Heute geht es mir wunderbar und ich genieße das Leben. Dieses Jahr habe ich quasi meinen 21. Geburtstag gefeiert.

Das CT zeigte sofort: Es ist ein Gehirntumor

Vor der Operation ging es mir oft schlecht. Ich hatte manchmal wahnsinnige Kopfschmerzen und auch hin und wieder Orientierungsschwierigkeiten, so geriet ich zum Beispiel während der Autofahrt gelegentlich völlig ohne Anlass nach links auf die – Gott sei Dank – stets freie Gegenfahrbahn, wechselte aber immer rechtzeitig auf die richtige Spur. An einen Gehirntumor habe ich bei diesen Symptomen jedoch niemals gedacht. Ich lebe alleine, aber in einer sehr intakten Nachbarschaft. Als an einem Morgen Ende Mai meine Jalousien immer noch geschlossen waren, hat ein Nachbar sich Sorgen gemacht und nach mir geschaut. Als er mich fand, war ich völlig „von der Rolle“ und durcheinander. Er rief meine beste Freundin an, die mit mir erst zum Hausarzt und dann direkt ins nächste Krankenhaus gefahren ist. Dort wurde sofort ein CT gemacht Das Ergebnis: Ein Gehirntumor.

Großes Vertrauen in den Chefarzt

Durch Empfehlungen von Freunden bin ich sofort zum Klinikum Braunschweig gekommen. Damals war noch nicht klar, ob die Geschwulst gut- oder bösartig ist. Nur eines stand fest: die erforderliche Operation. Bereits das erste Gespräch mit Prof. Sollmann, dem Chefarzt der Klinik, war sehr angenehm – ich hatte von Anfang ein gutes Gefühl und großes Vertrauen. Der ungewöhnlich große Tumor war am Sehnerv, der Hauptschlagader und der Schädeldecke angewachsen. Alle meine Freunde waren sehr aufgeregt. Noch vor der Operation habe ich in der Klinik eine Generalvollmacht und mein Testament unterzeichnet. Es war ja schon ein sehr großer Eingriff. Dennoch habe ich innerlich ein großes Urvertrauen gehabt und auch das Gefühl: Mir kann nichts passieren. Die histologische Untersuchung hat die anfängliche Vermutung einer gutartigen Geschwulst bestätigt.

Nach der Operation – von Anfang an hervorragend gefühlt

Die Operation war für alle Beteiligten eine Erfolgsgeschichte sondergleichen. Kurz nach der OP kam ein Pfleger der Intensivstation mit dem Telefon zu mir: Es war meine Freundin, die es kaum fassen konnte, dass ich schon wieder so gut „beieinander“ war. Sie ist sofort in die Klinik gekommen. Ich habe mich von Anfang an hervorragend gefühlt und alle Ärzte gedrückt, die mir begegnet sind. Die Dankbarkeit und Lebensfreude, die man nach so einer geglückten Operation verspürt, kann ich gar nicht in Worte fassen – man könnte die ganze Welt umarmen! Das gesamte Team hat sich super gekümmert. Zum Abschied habe ich Prof. Sollmann gebeten, seine Menschlichkeit zu bewahren. Sie ist nicht nur in einer solchen Situation besonders wichtig. Noch heute würde ich sagen: Wer hier her kommt, ist in den allerbesten Händen. Ich würde mich jederzeit wieder für die Neurochirurgie des Klinikums Braunschweig entscheiden und möchte die Zeit nicht missen – sie hat mich in vielerlei Hinsicht unendlich bereichert.

Sehtraining in der Reha hilft gegen „doppeltes Sehen“

Als ich zehn Tage nach der OP die Klinik verlassen konnte, musste ich noch sechs Wochen in die Reha und wurde dort ohne Ausfallerscheinungen entlassen. Das einzige Problem, das ich anfangs noch hatte, war ein doppeltes Sehen. Da musste ich dann nicht nur zwei Schuhe putzen, sondern vier. Aber auch das habe ich durch konsequentes Sehtraining schnell in den Griff bekommen. Wegen möglicher Krampfanfälle durfte ich allerdings ein halbes Jahr kein Auto fahren. Durch den Fahrdienst meiner Freunde und den Einsatz von Bus und Taxi bin ich jedoch weitestgehend mobil geblieben. Nach dem ersten Kontrolltermin bei Prof. Sollmann im Dezember und gleichzeitigem MRT hatte auch diese Zeit endlich ein Ende.

Nur noch in sehr seltenen Abständen muss ich heute zur Kontrolle und immer ist alles gut. Ich bin ein sehr aktiver Mensch und treffe mich gerne mit Freunden, unter anderem für gemeinsame Theater- und Konzertbesuche. Ich freue mich an dem Leben an sich – es ist ein großes Geschenk, dass ich daran teilhaben kann. Jedes Jahr fahre ich in die Neurochirurgie und bringe den Mitarbeitern einen Kuchen vorbei – es ist der Tag, an dem ich meinen zweiten Geburtstag feiere.

Fazit:

„Ich habe ein zweites Leben geschenkt bekommen – die Freude und Dankbarkeit darüber empfinde ich jeden Tag!“