„Mir geht es wieder super!“ Wer Sandra Helmke zuhört, kann man kaum glauben, dass sie schwer nierenkrank ist. „Als ich fünf war, begann meine Niere zu versagen und mit sieben wurde mir eine Spenderniere implantiert. Aber nach 29 Jahren versagt jetzt auch diese. Mir wurde deshalb hier in der Klinik ein Peritonealdialysekatheter gelegt. Ich war übrigens die 1.000 Patientin.“

 „Nieren sind sozusagen das Klärwerk des menschlichen Körpers“, erläutert Dr. Reinhard Wanninger, Leitender Oberarzt der Klinik für Nephrologie, Rheumatologie und Blutreinigungsverfahren, die Problematik. „Sie filtern Schadstoffe aus dem Blut und leiten sie über den Harn aus dem Körper. Außerdem sind sie u.a. auch für die Regulierung des Wasser- und Salzhaushaltes wichtig. Wenn die Nieren diese Aufgaben nicht mehr erfüllen können, kommt es zu einer Vergiftung und Überwässerung des Körpers.“

Abhilfe können hierbei drei Behandlungsmethoden schaffen: Eine Nierentransplantation, die Hämodialyse oder die Bauchfell- bzw. Peritonealdialyse. „Die jeweilige Therapie ist natürlich abhängig von der konkreten Erkrankung“, so Dr. Wanninger. „Die Nierentransplantation ist für viele Patienten der ‚Goldstandard‘. Für die Zeit bis zu einer erfolgreichen Nierentransplantation oder aber für die Patienten, für die eine Transplantation nicht in Frage kommt, werden die verschiedenen Dialyseverfahren eingesetzt.“

Während bei der Hämodialyse, umgangssprachlich auch als Blutwäsche bezeichnet, Patientinnen und Patienten mehrmals wöchentlich für mehrere Stunden an Dialysegeräte angeschlossen werden, führt bei der Bauchfelldialyse der eigene Körper diese Filterfunktion aus. „Bei dieser Behandlungsmethode wird das Bauchfell, das den gesamten Bauchraum auskleidet, als natürliche Filtermembran genutzt“, erklärt Oberärztin Dr. Gabriele Eden das Prinzip. „Durch einen fest implantierten Schlauch wird Dialyseflüssigkeit durch die Bauchdecke in die Bauchhöhle geleitet. Dort nimmt sie die Giftstoffe aus dem Blut auf und wird dann in einen Beutel abgeleitet. Dies dauert ca. 30 Minuten und kann von Betroffenen selbständig, z.B. zuhause, durchgeführt werden.“

Ein Umstand, den auch Sandra Helmke zu schätzen weiß: „Als berufstätige Mutter eines Sechsjährigen ist das ein Segen. Mir war es wichtig, meine Freiheit zu behalten. Bei der Hämodialyse bin ich stundenlang an eine Maschine gebunden und auf eine Ersatzniere muss ich wahrscheinlich jahrelang warten. Ich kann die Dialyse auch auf der Arbeit machen, mein Arbeitgeber baut mir sogar einen speziellen Schrank für meine Dialysematerialien.“

Obwohl seit den 70er Jahren weltweit zu den Standarddialyseverfahren zählend – in der Schweiz kommt mittlerweile bei 20% aller neuen Dialysepatienten dieses Verfahren zum Einsatz – ist diese Behandlungsmethode in Deutschland mit knapp 6% eher selten. Anders im Klinikum Braunschweig: „Bei uns liegt der Anteil bei ca. 40% aller Dialysepatienten. Seit 1993 haben wir 1.000 Peritonealdialysekatheter gelegt, davon alleine 100 in diesem Jahr“, berichtet Dr. Wanninger und fügt hinzu: „Wir sind aufgrund unserer langjährigen Erfahrung und Kompetenz überregional führend in diesem Bereich.“

Klinik für Nephrologie, Rheumatologie und Blutreinigungsverfahren

Die Klinik für Nephrologie, Rheumatologie und Blutreinigungsverfahren ist überregionaler Ansprechpartner für die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit chronischen und akuten Erkrankungen der Niere sowie schweren Bluthochdruck- und Systemkrankheiten. Neben dem klinikeigenen Dialyse-Zentrum für alle Nierenersatzverfahren einschließlich der Bauchfelldialyse übernimmt sie auch die Betreuung vor und nach Nierentransplantation.

Downloads