Umgang mit multiresistenten Erregern

Liebe Patienteninnen & Patienten, liebe Angehörige & Besucher,

wir möchten Sie über das Thema und den Umgang mit multiresistenten Erregern im Städtischen Klinikum Braunschweig gGmbH informieren.

Hintergrund: Aufklärung über die besonderen Hygienemaßnahmen in Krankenhäusern

Es gibt Bakterien, mit denen leben Sie in Einklang. Sind sie immungeschwächt, können Ihnen diese Bakterien gefährlich werden. Da es in Gesundheitseinrichtungen viele immungeschwächte Menschen gibt, werden Maßnahmen notwendig, die Sie Zuhause nicht anwenden müssen.

In Krankenhäusern gelten daher strenge Hygieneregeln, um eine Übertragung von multiresistenten Erregern zu verhindern. Um frühzeitig Maßnahmen ergreifen zu können, werden bestimmte Patientengruppen auf die Trägerschaft mit multiresistenten Erregern untersucht („Screening“) und betroffene Patienten/-innen je nach Risiko im Einzelzimmer untergebracht (Isolation).

Händedesinfektion

Die Händedesinfektion ist die wichtigste Maßnahme zur Verhütung von Krankenhausinfektionen. Unsere Hände stehen in ständigem Kontakt mit anderen Menschen und Gegenständen und sind der häufigste Überträger von Krankheitserregern.

Die Händedesinfektion gehört für unser Klinikpersonal zur Basishygiene und erfolgt nach den 5 Indikationen der Händedesinfektion.

Besucher und Angehörige, die eine Händedesinfektion vor dem Betreten und beim Verlassen des Patientenzimmers durchführen, leisten einen wichtigen Beitrag zur Infektionsprävention.

Weitere Informationen zur Händehygiene, wie sie durchgeführt wird und wann sie notwendig ist, finden Sie in unserem Flyer.

Erreger-Screening

Entsprechend der Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI) erfolgt bei der Aufnahme eines Patienten/-in, je nach Risikoanalyse ein Erreger-Screening. Dabei nimmt das Klinikpersonal Abstriche von verschiedenen Körperstellen, wie z.B. aus der Nase, dem Rachen oder rektal, ggf. auch von Wunden. Ein erhöhtes Risiko haben z.B. Patienten/-innen, die bereits einmal mit einem multiresistenten Erreger besiedelt waren.

Isolierung

Wird ein Erreger vermutet, gibt es einen Verdacht oder mikrobiologischen Erregernachweis, ist es notwendig, eine mögliche Übertragung auf Klinikpersonal, Patienten/-innen und Angehörige zu verhindern.

Dieses wird durch eine Isolation erreicht. Je nach Erreger wird eine Einzelzimmerisolation oder eine Kohortenisolation (mehrere Patienten mit dem gleichen Erreger) vorgenommen. Das Klinikpersonal und Angehörige schützen sich beim Betreten des Zimmers vor einer Kontamination durch das Tragen einer Schutzausrüstung. Die notwendige Schutzausrüstung richtet sich nach dem jeweiligen Erreger und Übertragungsweg. Es kann sein das ein Mund-/ Nasen-Schutz, ein Schutzkittel und Einmalhandschuhe getragen werden müssen.

Angehörige und Besucher werden in die erforderlichen Barrieremaßnahmen eingewiesen. Bitte wenden Sie sich dazu an das Klinikpersonal.

MRSA
Das Bakterium

MRSA ist die Abkürzung für „Methicillinresistenter Staphylococcus aureus“. Staphylococcus aureus ist ein Bakterium, das auf der Haut und Schleimhaut vieler Menschen vorkommt, bevorzugt im Nasen-/ Rachenraum. Dieses Vorkommen nennt man Besiedlung. Unter bestimmten Umständen kann der Staphylococcus aureus jedoch auch Infektionen verursachen. Im normalen Alltag sind es kleinere Infektionen, wie z.B. Furunkel oder Nagelbettentzündungen. Schwerere Infektionen sind eher selten. Im Krankenhaus und anderen medizinischen Bereichen haben wir es dagegen mit mehrfach erkrankten und abwehrgeschwächten Menschen zu tun, die besonders empfänglich für Infektionen sind. Hier kommt es dadurch eher zu Wund-, Harnwegs- oder Atemwegsinfektionen bis hin zu Blutvergiftungen, besonders bei Maßnahmen wie Operationen, Beatmungen oder Infusionen.

Unempfindlichkeit gegen Antibiotika

Infektionen durch Staphylococcus aureus sind normalerweise gut behandelbar. Mittlerweile haben jedoch einige dieser Bakterien Abwehrmechanismen (Resistenzen) gegen Antibiotika entwickelt. Ein Beispiel ist das Antibiotikum Methicillin („Methicillin- resistenter Staphylococcus aureus“). Wenn ein Staphylococcus aureus gegen Methicillin resistent geworden ist, hat dies zur Folge, dass auch die meisten anderen der normalerweise einsetzbaren Antibiotika gegen diese Bakterien nicht mehr wirken; man spricht von „Multiresistenz“. Diese multiresistenten MRSA- Bakterien werden häufig bei Patienten in medizinischen Einrichtungen gesehen. Infektionen durch MRSA können dann nur noch mit speziellen und mit Nachteilen behafteten Antibiotika (sogenannten „Reserveantibiotika“) behandelt werden. Die Ausbreitung findet über die Hände oder über Gegenstände (z. B. Kleidung) statt, die mit dem Bakterium verunreinigt worden sind.

MRGN

Die Bakterien

Gramnegative Stäbchen

MRGN ist die Abkürzung für „multirestistente gramnegative“ Stäbchen. Es ist eine Gruppe von Bakteriengattungen und -arten, die zwar einen ähnlichen mikroskopischen Aufbau aufweisen, sich jedoch in ihren sonstigen Eigenschaften, insbesondere den krankmachenden, teilweise deutlich unterscheiden. Diese Bakterien sind in der Natur weit verbreitet und kommen natürlicherweise im Boden, in Gewässern sowie beim Menschen und beim Tier (vorzugsweise im Darm) vor. Unter bestimmten Umständen können diese Bakterien Krankheiten, wie Durchfall, Blasenentzündung, Wundinfektionen, Lungenentzündung oder Blutvergiftung (Sepsis) verursachen.

Unempfindlichkeit gegen Antibiotika

Infektionen durch „gramnegative Stäbchen“ können mit Antibiotika behandelt werden. In der Medizin stehen nur 4 Antibiotikagruppen zur Verfügung, die routinemäßig gegen schwere Infektionen mit diesen Bakterien eingesetzt werden können. Gegen diese vier

Gruppen ist jedoch weltweit eine besorgniserregende Resistenzentwicklung zu beobachten. Wenn ein Erreger aus dieser Gruppe gegen drei der vier Antibiotikagruppen resistent ist, wird er als „3 MRGN“ oder „4 MRGN“ bezeichnet („multiresistente gramnegative Stäbchen mit Resistenz gegen 3 der 4 Antibiotikagruppen“).

Diese Definition wird nur in Deutschland so angewandt.

Die Ausbreitung findet in medizinischen Einrichtungen vor allem über die Hände oder Gegenstände (z.B. Kleidung) statt, wenn diese mit dem Bakterium verunreinigt worden sind.

VRE/ LRE
Die Bakterien

VRE ist die Abkürzung für „vancomycinresistente Enterokokken“ und LRE für „linezolidresistente Enterokokken“. Enterokokken sind Bakterien, die natürlicherweise im Darmtrakt von Menschen und Tieren vorkommen und als Teil der Darmflora eine wichtige Funktion erfüllen.

Dieses Vorkommen wird als Besiedlung bezeichnet und ist als normal anzusehen. Unter bestimmten Umständen können Enterokokken jedoch auch Infektionen verursachen. Hier können die Bakterien, die im Darm vorhanden sein können, Wund-, Harnwegs- oder Atemwegsinfektionen bis hin zu Blutvergiftungen hervorrufen, besonders bei Maßnahmen wie Operationen, Beatmungen oder Infusionen.

Unempfindlichkeit gegen Antibiotika

Infektionen durch Enterokokken sind normalerweise gut behandelbar. Die Behandlung wird durch die entwickelten Resistenzen gegen Antibiotika erschwert (VRE & LRE).

Die Ausbreitung erfolgt über die Hände oder über Gegenstände (z. B. Kleidung), die mit dem Bakterium verunreinigt worden sind.