Operative Behandlung von angeborenen Leistenbrüchen

Leitender Abteilungsarzt Kinderchirurgie & Kinderurologie PD Dr. Johannes Leonhardt
Leitender Abteilungsarzt Kinderchirurgie & Kinderurologie

PD Dr. Johannes Leonhardt

Salzdahlumer Straße 90, 38126 Braunschweig

Brüche (Hernien) kommen bei Kindern sehr häufig vor. Hierbei handelt es sich um eine Verlagerung von Eingeweideanteilen durch eine angeborene Öffnung aus der Bauchhöhle in einen peritonealen Bruchsack. Während bei Bauchwandbrüchen und Nabelhernien mit einer Operation abgewartet kann, sollten Leistenbrüche relativ rasch (innerhalb von wenigen Wochen) operativ korrigiert werden.

Bei welchen Krankheitsbildern ist die Operation geeignet?

Jungen und Frühgeborene haben am häufigsten einen angeborenen Leistenbruch. Dieser fällt mit einer Schwellung in der Leiste und manchmal auch des Hodensäckens auf. In der Regel ist diese Schwellung schmerzfrei. In Einzelfällen kann der Darm im Leistenkanal eingeklemmt sein. Dann ist eine sofortige Operation notwendig. Alle Kinder mit einer Leistenhernie müssen operiert werden, da sich der Bruch nicht von selbst verschließen kann. Im Gegensatz dazu werden Jungen mit einem Wasserbruch bis zum 1. Geburtstag beobachtet. Denn ein Wasserbruch, der eine feine Verbindung vom Bauchraum zum Hodensäcken aufweist, kann sich von allein verschließen.

Welche Ziele hat die Operation?

Das Ziel der Operation ist es, den offenen Leistenkanal zu verschließen, um das Austreten oder auch das Einklemmen von Bauchorganen (Darm, Eierstock) zu verhindern.

Wie sind die Erfolgsaussichten der Operation?

Die Operation einer kindlichen Leistenhernie hat eine praktisch 100%ige Erfolgsaussicht. Nur in Einzelfällen muss eine zweite Operation durchgeführt werden.

Wie ist der Ablauf der Operation?

Wie jede Operation bei Kindern erfolgt auch die Korrektur einer Leistenhernie in Vollnarkose. Durch die Operation wird die offene Bruchpforte (der innere Leistenring) verschlossen. Bei der offenen Operation wird ein Teil des Bruchsackes (eine Aussackung des Bauchfelles) abgetragen. Bei der minimalinvasiven Operation wird durch den Nabel eine kleine Kamera in den Bauchraum geführt. Eine Nadel bringt einen nicht resorbierbaren Faden in die Leiste und verschließt diese.

Welche Komplikationen können auftreten?

Bei oder nach jeder Operation können Komplikationen auftreten. Diese sind allerdings bei gesunden Kindern sehr selten. In der Ambulanz erfolgt eine mündliche und schriftliche Aufklärung. Blutung, Infektion und Wundheilungsstörungen sehen wir selten. Noch viel seltener tritt ein Leistenbruch wieder auf oder es kommt zu anderen Komplikationen, z.B. zu einem Hodenhochstand durch innere Narbenbildung.

Wissenswertes

Nur in wenigen (Uni-) Kliniken werden kindliche Leistenhernien minimalinvasiv operiert. Der Vorteil dieser Methode ist der operative Verschluss beider Leisten, auch wenn zuvor nicht bekannt war, dass auf beiden Seiten eine angeborene Leistenhernie vorliegt. Später sind die Narben praktisch unsichtbar im Gegensatz zu den Leistennarben, die im Verlauf mit dem Kind mitwachsen.

In der Kinderchirurgie Braunschweig wurden mit dieser modernen Methode weit mehr als 100 Kinder erfolgreich operiert. Auch bei eingeklemmten Brüchen wurde diese Technik in unserer Klinik erfolgreich angewendet, um den Zustand des Darmes besser beurteilen zu können.

Wichtige Hinweise

Bis zum 6. Lebensmonat und bei Begleiterkrankungen werden alle Kinder mit einer Leistenhernie stationär behandelt (Überwachung für 1 Nacht). Nach Korrektur eines Wasserbruches und nach offenen Operation können die Kinder am gleichen Tag nach Hause entlassen werden. Nach einer Bauchspiegelung werden die Kinder für eine Nacht überwacht.