Behandlungen von Halsbandscheibenvorfällen

Chefarzt Neurochirurgie Prof. Dr. Wolf-Peter Sollmann
Chefarzt Neurochirurgie

Prof. Dr. Wolf-Peter Sollmann

Salzdahlumer Straße 90, 38126 Braunschweig
Fax: 0531 595 2777

Halsbandscheibenvorfälle können durch Druck auf Nervenwurzeln oder reflektorische Blockaden der Wirbelgelenke und Muskulatur zu heftigsten Nackenschmerzen mit Ausstrahlung in Arme und Hände führen. In vielen Fällen ist dies einer konservativen Behandlung zugänglich. Wenn die Schmerzen nicht nachlassen, Lähmungen, Gefühlsstörungen oder Gangstörungen auftreten und ein großer Halsbandscheibenvorfall in der Magnetresonanztomographie nachgewiesen ist, kommt eine operative Behandlung in Frage.

Bei welchen Krankheitsbildern ist die Operation geeignet?

  • weiche Halsbandscheibenvorfälle
  • verknöcherte Halsbandscheibenvorfälle
  • Einengung der Nervenaustrittslöcher

Welche Ziele hat die Operation?

Beseitigung von Schmerzen, neurologischen Ausfallserscheinungen, Fehlstellungen und Gefügelockerung

Wie sind die Erfolgsaussichten der Operation?

Die Behandlungsergebnisse bei Halsbandscheibenoperationen sind in den allermeisten Fällen ausgezeichnet mit sofortiger Besserung der Schmerzen und rascher Rückbildung von Lähmungen oder Gefühlsstörungen. Dies hängt allerdings auch vom Ausmaß der vor der Operation bestehenden Ausfallserscheinungen ab. Insbesondere Rückenmarks-druckschädigungen benötigen häufig eine längere Zeit zur Erholung, die auch nicht immer vollständig ist.

Wie ist der Ablauf der Operation?

Bei der Operation wird über einen kleinen, horizontal verlaufenden Hautschnitt am Hals die Wirbelsäule von vorne freigelegt, die kranke Bandscheibe mit einer Röntgenaufnahme identifiziert und unter Vergrößerung mit dem Mikroskop ausgeräumt. Die nach hinten in den Wirbelkanal und die Nervenwurzelaustrittslöcher vorgefallenen Bandscheiben-fragmente werden vorsichtig mit feinen Instrumenten entfernt und die Knochenränder mit Diamantfräsen geglättet. Zur Erhaltung der Höhe der Bandscheibe wird anschließend ein Implantat in den Zwischenwirbelraum eingesetzt, das die normale Höhe der Bandscheibe wieder herstellt.

Die Entscheidung, ob ein festes, mit Knochen gefülltes Implantat oder eine bewegliche Bandscheibenprothese verwendet wird, wird individuell getroffen: Bei einer noch guten Bandscheibenhöhe und Beweglichkeit, also besonders bei jungen Menschen, ermöglicht die Bandscheibenprothese eine Erhaltung der Beweglichkeit des Segmentes und Entlastung der Nachbaretagen. Wenn die Bandscheibe bereits höhengemindert ist und knöcherne Abstützungsreaktionen vorliegen, ist die Beweglichkeit bereits vor der Operation eingeschränkt und kann nicht wieder in einem normalen Umfang hergestellt werden. Man muss dann damit rechnen, dass eine Bandscheibenprothese im Rahmen der Reparaturvorgänge des Körpers knöchern überbaut wird. In dieser Situation erscheint die Verwendung eines festen Implantates, durch das sich eine Knochenbrücke zwischen den Nachbarwirbeln bildet, günstiger: Das Implantat verknöchert kontrolliert und stabil innerhalb weniger Wochen mit hoher Belastbarkeit, nach Ausheilung gehen von dieser Etage praktisch nie wieder Probleme aus. Bei der Überknöcherung einer Bandscheibenprothese hingegen können die Knochenzacken auch in den Wirbelkanal oder die Foramina intervertebralia hineinwachsen und die Ausheilung erfolgt möglicherweise nicht in einer optimalen Stellung. Man kann dies nicht immer sicher vorhersagen, muss die Entscheidung für ein Implantat allerdings vor der Operation im Konsens treffen.

Welche Komplikationen können auftreten?

Komplikationen, Restbeschwerden:

  • Neue Bandscheibenvorfälle in anderen Etagen
  • Korrekturverlust des Implantats mit Abknickung der Halswirbelsäule
  • Verbleibende Lähmungen oder Gefühlsstörungen
  • Extrem selten (Promillebereich) Querschnittssymptomatik

Wissenswertes

Prothese oder Cage?

Die Behandlungsergebnisse beider Verfahren in den ersten Wochen nach der Operation sind gleich gut. Auch die Langzeitergebnisse beider Verfahren bezüglich Festigkeit und dauerhafter Beschwerdefreiheit sind sehr gut. Es gibt zwar bei Prothesen etwas häufiger Lockerungen, die einen Zweiteingriff erforderlich machen können, aber im allgemeinen heilen Prothesen rasch und fest ein und sind dann auch gut belastbar. So gibt es Leistungssportler, wie eine Rennrodel-Olympiasiegerin, deren Halsbandscheibenprothese höchste Belastungen aushält. Einer meiner Patienten wurde bei der Heimfahrt nach der Operation unverschuldet in einen Auffahrunfall verwickelt, bei diesem Unfall hat sich die Prothese nicht gelockert.

Die in den Medien zurecht kritisierten Bandscheibenprothesen eines mittlerweile insolventen englischen Herstellers, die aus Polyurethan gefertigt waren, haben wir im Klinikum Braunschweig nie eingesetzt, da uns die Verankerungsmöglichkeit und Dauerbelastbarkeit dieses Implantates unzureichend erschien. Von den in den letzten Jahren im Klinikum eingesetzten Bandscheibenprothesen mussten wir keine einzige entfernen oder austauschen.

Wichtige Hinweise

Ablauf, Untersuchung und Beratung in der neurochirurgischen Ambulanz oder dem MVZ mit Festlegung der Behandlungsstrategie und möglicherweise weiterer diagnostischer Maßnahmen wie z. B. Funktionsaufnahmen. Festlegung des Operationsverfahrens. Am Tag der Aufnahme Vorbereitung zur Narkose und Operation, am Folgetag erfolgt der operative Eingriff. Bei Rückenmarksdruckschädigungen übernehmen wir die Patienten für eine Nacht zur Beobachtung auf die Intensivstation oder ins Intermediate care-Zimmer. Am nächsten Tag Aufstehen zur Toilette und Beginn mit Krankengymnastik, am 4. Tag röntgenologische Überprüfung der Stellung der Implantate, am 5. bis 7. Tag Entlassung nach Hause, 6 Wochen nach der Operation röntgenologische Kontrolle der Einheilung, danach Intensivierung des Funktionstrainings.