TU, Kroschke und DRK für Faceshields im Einsatz

Schneller Zusammenschluss von Unternehmen und Institutionen entwickelte und fertigte Faceshields für hiesige Kliniken

Der Braunschweiger Alexander Bußmann steht in der Mitte des Schulungsraumes. Um ihn herum: Einzelne Tische in großen Abständen, an denen jeweils ein Kollege oder eine Kollegin des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) sitzt und sogenannte „Faceshields“ zusammenbaut. „An zwei Tagen haben wir nun 1.000 Masken zusammengebaut“, erklärt Bußmann, der neben seinem Job als Krankenpfleger in der Hauptnachtwache des Städtischen Klinikums in der Salzdahlumer Straße noch beim DRK-Kreisverband Braunschweig-Salzgitter engagiert ist.

Nicht nur Bußmann: alle in dieser Räumlichkeit, die eigentlich für Schulungen und Besprechungen genutzt wird, kümmern sich als freiwillige Helfer um die Faceshields. „Wir wollten uns einbringen“, schildert der Krankenpfleger. Der Katastrophenschutz sei beim DRK ihre Aufgabe, „wir sind stets darauf vorbereitet etwas zu tun.“ Bußmann selbst war im Kontext der Corona-Krise derweil nicht nur schon ehrenamtlich in Braunschweig, sondern etwa auch in Berlin und Bayern im Einsatz. „Es begeistert mich etwas zu tun, mich zu engagieren.“ Im Jahr 2013 startete er am Städtischen Klinikum seine Ausbildung – schon seit dem Jahr 2010 ist der beim DRK, war vorher etwa auch beim DLRG. Rund zwei Stunden saßen Bußmann und seine Kollegen je Abend an den Faceshields, 500 Stück haben sie jeweils zusammengebaut. „Teilweise saßen wir mit bis zu acht Helfern hier.“

„Wir wollten unkompliziert und schnell helfen“

Entstanden ist das Vorhaben derweil über Prof. Meinhard Schilling, Leiter des Instituts für Elektrische Messtechnik und Grundlagen der Elektrotechnik der TU Braunschweig. Er hat diese Idee zusammen mit dem Städtischen Klinikum Braunschweig entwickelt. Auch das Unternehmen Kroschke kam hinzu. „Professor Schilling hat unseren Geschäftsführer Frithjof von Kessel telefonisch kontaktiert und nachgefragt, ob wir Folien für Gesichtsschutzschirme im Sortiment haben oder besorgen können. Grundsätzlich gehören Gesichtsschutzschirme nicht zu unserem Kerngeschäft, wir wollten aber schnell und unkompliziert helfen“, erläutert Juliane Thor aus der Unternehmenskommunikation von Kroschke. Und dann ging alles ganz schnell: „Innerhalb von zwei Tagen haben unser Produktionsleiter Andreas Förster und Martin Oheler Anforderungen und Einzelheiten besprochen. Wir haben geprüft, welche Folien in Frage kommen und woher wir diese beziehen können. Die diesbezügliche Marktlage ist beziehungsweise schwierig. Die Folien müssen eine bestimmte Materialstärke und Durchsichtbarkeit aufweisen.“

Es wurde PET-Folie eingekauft und zugeschnitten. Innerhalb von drei bis vier Tagen konnte Kroschke bereits 120 Prototypen an Oheler weiterreichen, die direkt am selben Tag noch an das Städtische Klinikum Braunschweig übergeben werden konnten. „Die Bestellungen von weiteren 20.000 Exemplaren wurden dann nach und nach bearbeitet“, so Thor. Für die Produktion haben sich übrigens einige Unternehmen zusammengetan: Die Kroschke sign-international GmbH liefert die Visiere der Gesichtsschutzschirme, die vorab in der Produktion zugeschnitten wurden. Die Firma Reiher, ein Spritzgusshersteller, produziert die Visier-Halterungen aus Kunststoff. Thor führt aus: „Beiden Firmen liefern dann alles an die Capical GmbH – eine TU-Ausgründung – und kümmern sich um die Auslieferung. Die Teile können dann vor Ort sehr schnell und leicht selbst zusammengebaut werden. Hier kommen etwa die ehrenamtlichen Helfer vom DRK ins Spiel.

Engagement vieler Akteure

Die Mitglieder des DRK setzen sich auf unterschiedlichstem Wege im Zuge der Krise ein – auch die Unternehmen selbst starten einige Initiativen. Wie auch Kroschke. Die Unternehmenssprecherin dazu: „Wir haben nicht nur sofort bei der Herstellung von Gesichtsschutzschirme zugesagt, wir haben auch seit Anfang der COVID-19 Pandemie Bestellungen von Unternehmen und Krankenhäusern aus der Region bevorzugt behandelt. Wir haben Atemschutzmasken an das Klinikum Braunschweig gespendet, als der Bestand zu Neige ging und stellen Gratis-Boxen ’38-hält Abstand’ mit diversen Produkten zur Umsetzung der Abstandsregelung den inhabergeführten Einzelunternehmen in der Region zur Verfügung.“ Warum sie sich einbringen? „Wir sehen es als Pflicht an zu helfen und wollen damit auch gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Die Bekämpfung der Pandemie benötigt mehr Zusammenarbeit von Unternehmen und Einrichtungen in der Region. Wir müssen uns mehr vernetzen, denn viele Synergieeffekte sind einfach noch ungenutzt! Auf kurzem Wege können wir vieles umsetzen und bewirken.“

In der Rettungswache Braunschweig des DRK-Kreisverbandes kehrt derweil allmählich der Feierabend ein. Bußmann und seine Kollegen haben die Faceshields sicher verstaut und bringen sie kurzfristig ins Städtische Klinikum. „Wir sehen sehen was die Zeit noch bringt – ich finde es aber klasse, dass wir helfen können“, resümiert der Krankenpfleger.