Prostata-Arterien-Embolisation (PAE) bei gutartiger Prostatavergrößerung

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Die PAE ist die relativ neue Anwendung einer lange erprobten Technologie.
Bei der Embolisation handelt es sich um ein minimal invasives Verfahren, bei der über einen Katheter die Blutversorgung der Prostata teilweise gezielt unterbunden wird. Ohne Blutversorgung schrumpft das abnomal vergrößerte Prostatagewebe, die Harnröhre wird entlastet und die Symptome bessern sich oder verschwinden.
Die Beschwerdelinderung tritt schnell ein, die Wirkung ist lang andauernd und die Prostata bleibt erhalten. Embolisationen generell werden in unserem Institut seit vielen Jahren erfolgreich durchgeführt, so dass eine große Erfahrung mit den Materialien (Katheter, Führungsdrähte, Embolisate) und dem Verfahren besteht.

Bei welchen Krankheitsbildern ist das Behandlungsverfahren geeignet?

Die Prostata ist ein Organ des männlichen Reproduktionssystems und befindet sich unterhalb der Harnblase mit der Größe und Form einer Walnuss. Da die Prostata die Harnröhre umschließt, kann eine Prostatavergrößerung zu Probleme beim Wasserlassen führen. Die gutartige Prostatahyperplasie (BPH, Benigne Prostata Hyperplasie) ist die häufigste Erkrankung der Prostata und tritt vor allem bei Männern mittleren und fortgeschrittenen Alters auf. Durch eine gutartige Vergrößerung des Prostatavolumens kann es zu einer Einengung der Harnröhre kommen wodurch das Wasserlassen behindert wird. Die Erkrankung kann dadurch belastende Symptome verursachen und die Lebensqualität einschränken. Männer im Alter ab 60 Jahren können bis zu 50% und im Alter über 85 Jahren zu 90% betroffen sein. Betroffene Patienten leiden häufig über einen längeren Zeitraum an verschiedenen Symptomen. Diese können einzeln oder zusammen auftreten, unterschiedlich stark ausgeprägt sein und im Laufe der Zeit zunehmen. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • häufiges Wasserlassen mit geringen Urinmengen, besonders nachts
  • schwacher und/oder unterbrochener Urinfluss
  • Gefühl einer unvollständigen Entleerung der Blase nach dem Wasserlassen
  • Schwierigkeiten, das Urinieren einzuleiten
  • starker Harndrang und Schwierigkeiten, das Urinieren zu kontrollieren
  • Unfähigkeit zu urinieren, mit anschließendem Harnverhalt und
  • nachfolgend Notwendigkeit einer Katheterisierung
  • Blut im Urin
  • Erektionsstörungen, vor allem durch die Medikamente verursacht.

Wird die BPH nicht behandelt, kommt es im Verlauf zu einem Harnverhalt mit möglicherweise schweren Komplikationen wie Harnwegsinfektionen, Blasensteinen oder Divertikelbildung und Nierenversagen. Die Diagnose einer BPH erfolgt anhand der Krankengeschichte des Patienten (Anamnese) und einer gründlichen körperlichen Untersuchung, einschließlich einer digitalen Rektaluntersuchung (die Größe der Prostata wird mit dem Finger über den Anus ertastet). Das genaue Volumen und die Struktur der Prostata können durch eine Ultraschall-Untersuchung über das Rektum untersucht werden. Für die frühzeitige Diagnose eines möglich vorhandenen Prostatakrebs ist ein Test der Konzentration des prostataspezifischen Antigens (PSA) unerlässlich. Sollten Sie eine Abklärung Ihrer Beschwerden wünschen an wenden Sie sich bitte an Ihren Hausarzt zur Überweisung an unsere Kollegen der Urologie.

Eine PAE wird nur durchgeführt, wenn BPH-Symptome vorhanden sind. Dieses Verfahren kann auch bei sehr großen Prostatadrüsen mit einem Volumen von über 200 cm³ durchgeführt werden. Wenn das Volumen Ihrer Prostata weniger als 40 cm³ beträgt, kommt die Behandlung ggf. nicht für Sie infrage.

Kann meine BPH mit PAE behandelt werden?

Ja, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

  • die Beschwerden sind durch eine BPH verursacht
  • der Patient ist für eine PAE qualifiziert
  • das Prostatavolumen beträgt über 40cm³
  • der Urinfluss beträgt weniger als 12 ml/Sek
  • es gibt keine Kontraindikationen

Wie wirkt die Behandlung?

Die Embolisation reduziert die Größe der Prostata sukzessive um 10 - 50 %. Ungefähr 20 % der Patienten verspüren eine Verbesserung auch ohne messbare Größenveränderung. Ziel der Embolisation ist die Linderung der BPH-Symptome und nicht nur die Reduktion der Prostatagröße, obwohl dies bei der Mehrheit der Patienten eintritt. Bisher kam es laut aktueller Studien bei Patienten, deren BPH mit PAE behandelt wurde, nicht zu einer verminderten Sexualfunktion. Sexuelle Funktionsstörungen sind hauptsächlich mit Nebenwirkungen der verschreibungspflichtigen Medikamente assoziiert, mit denen BPH-Patienten ggf. vor dem PAE-Verfahren behandelt werden.

Wie ist der Ablauf der Behandlung?

Für die Embolisation wird nach örtlicher Betäubung (Lokalanästhesie) in der Leiste ein dünner Kunststoffschlauch (Katheter) in die Arterie eingeführt. Dieser wird unter Kontrolle mittels Durchleuchtung durch ein digitales Röntgengerät bis vor die Prostataarterien vorgeschoben. Sobald der Katheter den Anfang der gewünschten Prostataarterie erreicht hat, wird ein kleinerer Mikrokatheter eingeführt. In eine der Prostataarterien werden kleinste Plastikkugeln (embolisierende Mikrosphären) injiziert, die einen Teil der versorgenden Arterienäste blockieren und somit die anteilige Blutversorgung der Prostata unterbinden. Die Erektionsfunktion ist hiervon nicht betroffen, da die entsprechenden Gefäße verschont bleiben. Die teilweise Unterbrechung der Blutversorgung der Prostata führt dazu, dass das anomale Gewebe sich zurückbildet und verkleinert. Das Verfahren nimmt insgesamt ca. 1 bis 2 Stunden in Anspruch. Sie sind während der Behandlung bei Bewusstsein und können die Behandlung auf einem Monitor verfolgen. Nach Abschluss der Embolisation wird der Katheter entfernt, für 10 Minuten eine Kompression der Punktionsstelle durchgeführt und ein kleiner Kompressionsverband angelegt. Sie können in der Regel nach 6 Stunden Bettruhe wieder aufstehen. Die Erholungsphase wird engmaschig von medizinischem Fachpersonal überwacht. Je nach Empfehlung des Arztes können Sie in der Regel nach 1 bis 3 Tagen das Krankenhaus verlassen.

Welche Komplikationen können auftreten?

Die meisten Patienten spüren während des Verfahrens keine Beschwerden, gelegentlich kommt es zu leichtem Schmerz, Brennen oder einem Hitzegefühl der Harnröhre oder am Anus, was mit entsprechenden Medikamenten leicht kontrolliert werden kann. Es können Komplikationen auftreten, die generell mit Gefäßinterventionen assoziiert sind. Dies sind am häufigsten kleine Blutungen an der Punktionsstelle und blaue Flecken in der Leiste und am Oberschenkel. Seltene Komplikationen (10 %) sind Blut im Urin und eine Harnwegsinfektion, die leicht durch Einnahme von Antibiotika vor dem Verfahren vermieden werden kann. Zu den sehr seltenen (2 %) Komplikationen gehören Blut im Sperma oder im Stuhl. Viele dieser Nebenwirkungen verschwinden nach einigen Tagen spontan. Gelegentlich muss bei Patienten ein Urin-Katheter gelegt werden, der aber in der Regel vor der Entlassung entfernt werden kann.