Es ist das stolze Jubiläum einer hochspezialisierten Klinik: Die Neurochirurgie des Klinikums Braunschweig feiert im April ihr 25-jähriges Jubiläum. Zu feiern – wenn auch Corona bedingt nicht mit Party, Festreden und Gästeschar – gibt es ein Vierteljahrhundert, das von einer enormen Entwicklung, medizinischen Erfolgen und einem hohen Renommee geprägt ist. Untrennbar mit der Klinik verbunden: Chefarzt Prof. Dr. Wolf-Peter Sollmann, der die Klinik ab dem Jahr 1996 aufgebaut und stetig weiterentwickelt hat.

Für den Aufbau der Neurochirurgischen Klinik entschied sich das Klinikum vor 25 Jahren für den jüngsten Bewerber, den damals erst 38 Jahre alten Sollmann. Seine anspruchsvolle Aufgabe: Eine neue Klinik zu schaffen – ausgestattet mit modernster Medizintechnik und einem hochqualifizierten Team. Prof. Sollmann erinnert sich: „Bereits in der Vorbereitungsphase wurden gelegentlich Notfalleingriffe mit Lupenbrille, Stirnlampe und von der Medizinischen Hochschule Hannover geliehenen Instrumenten durchgeführt.“ Wenig später ging die Neurochirurgie mit 51 Betten, davon 5 eigene Beatmungsplätze auf der Intensivstation, in den offiziellen Betrieb. Die erste Operation bleibt unvergessen. Sollmann: „Der erste Eingriff im Klinikum war die Entfernung eines gutartigen Hirntumors. Die Patientin erfreut sich heute noch guter Gesundheit und musste nie wieder wegen dieser Erkrankung behandelt werden.“ Seit dieser ersten Behandlung wurden mehr als 40.000 Patientinnen und Patienten in der Neurochirurgischen Klinik operiert und behandelt. Das Behandlungsfeld ist durch lebensgefährliche Erkrankungen wie Hirntumoren, Hirnblutungen und schwere Kopfverletzungen geprägt. Hinzu kommen komplizierte Wirbelsäulenoperationen.

Die technische Entwicklung in den letzten 25 Jahren hat einen wichtigen Einfluss auf die Klinik gehabt. Prof. Sollmann fasst zusammen: „Die Navigation hat sich mittlerweile zu einer Routinemethode entwickelt. Unsere Neurochirurgen können durch Übertragung von Bilddaten in den Operationssaal auch tief gelegene Tumoren im Kopf auf 1 mm genau orten und entfernen, Schrauben an der Wirbelsäule exakt an den gewünschten Stellen im Knochen platzieren und bei der Operation das Ausmaß der Tumorentfernung und den Sitz der Implantate überprüfen. Bei Anwendung des Stoffes 5-Aminolävulinsäure lassen sich hirneigene Tumoren während der Operation anfärben, sie fluoreszieren bei Blaulichtbeleuchtung und sind hierdurch gründlicher und schonender zu entfernen. Durch Verbesserung der Beatmungstechniken auf der Intensivstation kommen die früher sehr gefürchteten Lungenprobleme nach Langzeitbeatmung praktisch nicht mehr vor.“

Die Expertise des Chefarztes führte zu einem hohen Renommee weltweit. Prof. Sollmann hat in über 30 Ländern auf Einladung komplizierte Operationen am Hirnstamm zur Wiederherstellung des Hörvermögens bei beidseitiger Ertaubung durchgeführt, unter anderem in den Universitätskliniken von Paris, Rom, Cambridge, Prag, Zürich, Kopenhagen und Barcelona. Über die internationalen Kontakte kommen auch immer wieder internationale Patient*innen ins Klinikum Braunschweig, um Hirn- oder Wirbelsäulenoperationen durchführen zu lassen.

Die neurochirurgische Klinik ist ein wichtiger Partner für die Unfallchirurgie im Traumanetzwerk der Region, für die Neurologie bei der Behandlung von Schlaganfällen, für das Tumorzentrum bei der Behandlung von Geschwülsten im Hirn, dem Rückenmark oder der Wirbelsäule und für Augen-, HNO-Klinik und Mund-Kiefer- und Gesichtschirurgie bei Behandlungen von Prozessen an der Schädelbasis. Alle Fachdisziplinen benötigen die Absicherung durch die Neurochirurgie, wenn ein Krankheitsprozess Gehirn, Rückenmark oder Nerven mit einbezieht. Die Neurochirurgische Klinik ist von der Gesellschaft für Schädelbasischirurgie zertifiziert und wird in der Focus-Liste als besonders gute Wirbelsäulenklinik aufgeführt. Die enge Zusammenarbeit mit anderen Fachdisziplinen hat Prof. Sollmann bereits 1989 begonnen und weiterentwickelt. So führt er – falls erforderlich – gelegentlich Gehirnoperationen auch durch Nase, Mund, Ohren oder hinter dem Auge durch. Sein erklärtes Ziel: „Wir müssen für jede Patientin und jeden Patienten mit einem komplizierten neurochirurgischen Krankheitsbild eine gute Lösung anbieten können.“

Weitere Infos:

Personal: Im Jahr 1996 waren es 9 Mitarbeitende, heute sind es 17. In 25 Jahren wurden 48 Ärzt*innen zu guten Klinikern, geschickten Operateuren und versierten Intensivmedizinern ausgebildet. 5 haben in dieser Zeit am mehrjährigen Trainingsprogramm der EANS (European Association of Neurosurgery) teilgenommen, 5 weitere Dissertationsarbeiten geschrieben und den Doktortitel erlangt. 2 Oberärzte wurden auf Chefarztpositionen nach Hamburg und Berlin berufen.

Prävention: Schwere Kopfverletzungen kann man auch mit Operationen nicht ohne Schäden heilen, man sollte sie daher möglichst vorher vermeiden. Aus diesem Grund führt die neurochirurgische Klinik seit 2009 einmal jährlich mit Unterstützung durch ADAC, Präventionsteam der Polizei, Rettungsdiensten, Spedition Wandt und Braunschweiger Judo-Club mit insgesamt bis zu 40 Freiwilligen Helfern und 180 Kindern das Projekt "SURVIVAL" durch: Schadens- und Risikovermeidung im Verkehr aktiv lernen. Bei diesem ganztägigen Projekt wurden mittlerweile 1800 Kinder geschult, die Aktion ist bundesweit einmalig und wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet.